Wenn Spiele gewonnen werden, bei denen viel Sand im Getriebe ist, dann ist ein untrügliches Zeichen für eine gute Saison. Und genau die liefert der ESV 1927 Regensburg nun ab: Der 29:26-Erfolg am Samstagabend über den Bergischen HC sicherte den Bunkerladies Platz sechs und gleichzeitig den Premierensieg über den ambitionierten Aufsteiger.
Seit dem Heimsieg am Samstag, den 22. März, ist Spitzenreiter Halle-Neustadt die einzige Mannschaft, gegen die die Oberpfälzerinnen noch nicht gewinnen konnten.
Was den Zielen bisher im Weg stand
Vor dem Anpfiff waren beide Teams Tabellennachbarn, auch wenn die Gäste aus Nordrhein-Westfalen zwei Partien weniger ausgetragen hatten. Hinsichtlich der Zielsetzung trennt die Vereine sehr viel: Während für Bayerns einzigem Bundesligisten der Klassenerhalt jedes Jahr eine Herausforderung darstellt – auch wenn sie bislang immer mit Bravour bewältigt werden konnte – strebt der Aufsteiger aus Solingen nach mehr. Die Beletage ist klares Ziel, in dieser Saison standen jedoch beispielloses Verletzungspech und die Übermannschaft aus Halle-Neustadt im Weg.
„Unkonzentriertheiten, unnötige Ballverluste und die ein oder andere Schlafmützigkeit“
Nach zuletzt drei richtig guten Spielen in Serie taten sich die Gastgeberinnen im gut gefüllten „Bunker“ von Beginn an schwer: Die Mischung aus fehlenden, einigen angeschlagenen oder nach Verletzung zurückkehrenden Spielerinnen und an diesem Abend mal nicht in Bestform agierenden Leistungsträgerinnen machte die Angelegenheit zäh. Bezeichnend war gleich das erste Tor der Gäste von Olympia-Teilnehmerin Johanna Stockschläder, die im Rückraum die Fäden zog: Der Notwurf rutschte ins Tor, während die Regensburgerinnen in der Folgezeit klare Möglichkeiten auslassen sollten. ESV-Trainer Bernhard Goldbach bemängelte nicht nur im Abschluss Unkonzentriertheiten: Auch unnötige Ballverluste und die ein oder andere Schlafmützigkeit in der Deckung sorgten dafür, dass der BHC mit 7:4 davonziehen konnte. Der Rückstand vergrößerte sich bis zur 18. Minute auf 6:10. Goldbach schickte dann Ella Jaeschke ins Tor, die sich ein paarmal auszeichnen konnte und dazu einen schönen Konterpass auf Emma Seiler warf. Angeführt von Theresa Lettl und Julika Birnkammer holte Regensburg Tor um Tor auf. Nach dem Ausgleich sorgte ein Doppelpack von Franziska Peter und Emma Seiler dafür, dass der ESV sogar eine 15:14-Führung mit in die Pause nehmen konnte.
Die gute Sequenz am Ende des ersten Durchgangs machte Hoffnung, dass die Bunkerladies nach Wiederanpfiff mehr Sicherheit in ihre Aktionen bringen würden. Das Gegenteil war aber der Fall, an diesem Abend wurden individuell einfach zu viele falsche Entscheidungen getroffen. Auch die Rote Karte gegen BHC-Abwehrchefin Vesna Tolic half dem Heimteam zunächst nicht: Die von Kerstin Reckenthäler trainierten Gäste setzten sich in der 46. Minute auf 23:20 ab.
Partie wurde am Ende noch einmal spannend
Mit dem Rücken zur Wand machte sich der Rückwechsel auf Joelle Arno im Kasten bezahlt, die nun einige Paraden verbuchte. Kapitänin Franziska Peter hatte sich freigeschwommen und egalisierte in der 52. Minute zum 24:24. Julika Birnkammer war wenig später die erste Bunkerladies-Führung nach langer Zeit heraus. Als Joelle Arno in ESV-Unterzahl dann einen Strafwurf parierte, lief dann fast alles in Richtung der Regensburgerinnen. Ohne Torhüterin im Gehäuse gelangen den Gastgeberinnen zwei unbeantwortete Treffer zum 27:24. Die Schlussphase hätte der ESV dann stressfreier gestalten können, aber eine weitere Zeitstrafe und das wiederholte Tappen in die Schussfalle machten die Partie noch einmal spannend. Joelle Arno mit weiteren Paraden und Emma Seiler mit dem 29:26 in der Schlussminute besiegelten den ESV-Zweier.
„Das war heute ein dreckiger Sieg“
„Das war heute ein dreckiger Sieg, bei dem man den Kampfgeist herausstreichen muss. Mit der Unterstützung der Zuschauer hat sich die Mannschaft selbst aus ihrem Tief gezogen und den Rückstand noch gedreht“, war ESV-Trainer Bernhard Goldbach erleichtert über den Erfolg, der nach zwei gewonnen Spielhälften auch verdient war. „Das war heute nicht so flüssig wie zuletzt, aber das muss man der Mannschaft nach zwei strapaziösen Auswärtsspielen in Serie auch mal zugestehen. Am Ende stehen zwei Punkte, über die wir uns sehr freuen“, sagt der Sportliche Leiter Robert Torunsky, der ein Sonderlob an Theresa Lettl verteilte. Trotz Examensstress avancierte die Linkshänderin mit 8/2 Toren zur Topscorerin der Partie.
Mit nun 7:1 Punkten in Serie haben die Bunkerladies (13 Siege, zwei Unentschieden, 8 Niederlagen) den sechsten Platz so gefestigt, dass er auch am nächsten Spieltag Bestand haben wird. Den kann sich der ESV ganz entspannt ankucken und ein freies Wochenende genießen, da das Spiel gegen Bremen auf Samstag, den 12. April, verlegt worden ist. Gut ausgeruht geht es dann am Samstag, den 05. April, mit dem Heimspiel gegen Bad Wildungen weiter.
H.C. Wagners Bureau / Bunkerladies / RNRed